Deutscher Gewerkschaftsbund

20.12.2016

Gewerkschaft feiert 110 Jahre Ortskartell Neuwied

DGB

Die Veranstaltung wurde eröffnet durch Alexander Reuschenbach, den Vorsitzenden des DGB Kreisverbandes Neuwied. Er erinnerte an die Kraft der Arbeiterbewegung u.a. durch das Beispiel von 1906, als sich die Arbeiterschaft in Neuwied mit den ausgesperrten Arbeiter der Bierbrauerei Schultheiß solidarisierte und den Kauf des Bieres erfolgreich boykottierte. DGB

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Der Oberbürgermeister der Stadt Neuwied bedauerte in seinem Grußwort, dass der DGB nach Koblenz zog und es das alte Gewerkschaftshaus so nicht mehr gibt. Er hält die Gewerkschaften für wichtig: sie haben den sozialen Frieden in der Zeit der Gründung der BRD erkämpft und sie erhalten ihn mit dem Eintreten für die Menschenwürde jedes einzelnen. DGB

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Auf den Oberbürgermeister folgte Dietmar Muscheid, Landesvorsitzender des DGB mit seinem Grußwort. Das Selbstverständnis der Gewerkschaften ist es, in den Betrieben präsent zu sein, aber in Zeiten wie diesen seien sie auch aufgefordert, sich gesellschaftspolitisch zu engagieren. Es sei Aufgabe der Gewerkschaften gegen den Rechtspopulismus Flagge zu zeigen: „Wir haben aus der Geschichte gelernt und wir tun alles dafür, dass die Gesellschaft nicht zurückfällt in Zeiten, die wir schon mal hatten!“ DGB

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Der Festredner Prof. Dr. Gerd Bosbach zeigte sich beeindruckt von der Lebendigkeit der Grußworte und dem sich darin ausdrückenden Engagement. Er sieht die Gewerkschaften als eine soziale Bewegung, die sich Bündnispartner suchen muss ähnlich wie sich die Friedensbewegung in den 80ern aus ganz unterschiedlichen Gruppen zusammensetzte. Bosbach kritisierte die Verteilung von erwirtschafteten Gewinn. Es ginge nicht an, dass es Lohnzuwächse lediglich in der Höhe vom Ausgleich der Inflationsrate gäbe, während gerade in Großunternehmen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jährlich rechnerisch pro Kopf zigtausende von Gewinn mit ihrer Arbeit erwirtschafteten. Davon käme bei ihnen allerdings nichts an, an und das sei nicht hinzunehmen. DGB

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In seinem Schlußwort bezog sich der DGB Regionsgeschäftsführer Sebastian Hebeisen ganz konkret auf Neuwied: so fragte er den Oberbürgermeister, was aus dem Werksgelände von Rasselstein würde, „bleibt es ein Ort der Arbeit oder werden hier schicke Wohnungen hochgezogen?“ In Richtung Kreisverwaltung fragte er nach der Gesundheitskarte für Flüchtlinge. In Bezug auf neue Mitglieder sprach er von der Bedeutung und dem Aufbau der Hochschularbeit, die maßbeglich von der IG Metall Neuwied mitgetragen wird. „Wir müssen dort hingehen, wo die jungen Leute sind. Und wenn viele von ihnen nicht mehr als Azubis in den Betrieben sind, sondern studieren, dann gehen wir nicht nur in die Betriebe und die Berufsschulen, sondern auch an die Hochschulen!“ Ein vierter Punkt seines Schlußwortes war die Frage nach den Folgen der Entgrenzung von Arbeit und bezog auch auch die Initiative für den arbeitsfreien Sonntag, bei der KAB und CDA, beide an diesem Abend auch anwesend, beteiligt sind. DGB

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Für eine festliche und auch anregende Stimmung sorgten Manfred Pohlmann und Dirko Juchem mit hervorragender Musik, bei der sie Arbeiterlieder im Mittelpunkt standen. Pohlmann erinnerte dabei an Zeiten, wo das gemeinsame Singen auf den Demos auch ein anderer Ausdruck von Solidarität war als die Pfeifkonzerte mit den Trillerpfeifen. DGB


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