Deutscher Gewerkschaftsbund

24.02.2017

350 junge Menschen werden betreut

DGB

Gruppenfoto in der Metallwerkstatt (v.r.n.l.): DGB-Kreisvorsitzender Bernd Becker, Ernst Hardt-Neuer (IG-BAU), Judith Schnell (Neue Arbeit), Uwe Wallbrecher (IG-Metall), Stefanie Schneider (Neue Arbeit), Udo Quarz (ver.di), Axel Karger (GEW). DGB

Der Vorstand des DGB-Kreisverbandes Altenkirchenhat den Verein „Neue Arbeit“ in den neuen Räumen in Altenkirchen, Philipp-Reis-Straße, besucht und zeigt sich beeindruckt von der dort geleisteten Arbeit für Menschen, die eine zweite oder dritte Chance brauchen.

 

„Wir wollen uns über Ihre wichtige Arbeit informieren und Sie unterstützen. Gleichzeitig geht es darum, ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen, dass es auch im Kreis Altenkirchen Armut und prekäre Lebenssituationen gibt“ verdeutlichte DGB-Kreisvorsitzender Bernd Becker die Beweggründe der DGB-Delegation. Umfassend und leidenschaftlich referierten Geschäftsführerin Stefanie Schneider, die bei der „Neuen Arbeit“ die betriebswirtschaftlichen Zügel in der Hand hält, und ihre Vertreterin Judith Schnell - pädagogischer Kopf des Vereins – über die breite Palette der Aufgaben und Projekte.

 

Die Neue Arbeit versteht sich – so die beiden Gastgeberinnen – in erster Linie als Arbeitsmarktdienstleister: Die Steigerung der Beschäftigungsfähigkeit sowie berufliche und damit auch gesellschaftliche Integration zählt als nachhaltiges Ziel zu den obersten Prioritäten. Der Weg führt über Qualifikation, Motivation, Erkennen der eigenen Stärken und einem  respektvollen Umgang miteinander. Ein externer  Hauptschulabschluss-Kurs, Praxistage an Schulen, Erlebnispädagogische Elemente und eine Tagesstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung runden das Angebot an unterstützenden Maßnahmen ab. Insgesamt seien aktuell ca.350 Menschen, größtenteils unter 25 Jahre alt, in der Betreuung des Vereins. 

 

Die Neue Arbeit ist mittlerweile selbst Arbeitgeber für 60 Menschen, die sowohl im pädagogischen Bereich, der Verwaltung  wie auch in den Zweckbetrieben Möbelhalle, Bürgerservice und Kochpunkt eingesetzt sind, darunter aktuell sieben Auszubildende. Bei der Ausbildung junger Menschen, beispielsweise zur Bürokauffrau, sei man sehr erfolgreich. „Menschen, die bei uns gelernt haben, gehören heute auch zu unserem Stammpersonal“, erklärt Judith Schnell in sichtlicher Zufriedenheit. Stefanie Schneider ergänzt: „Arbeitskräfte werden immer rarer. Ich kann auch anderen Firmen nur empfehlen, die Programme der Arbeitsagentur und des Jobcenters zur Ausbildung von Menschen mit Vermittlungshemmnissen zu nutzen. “

 

Die jüngste Errungenschaft und der ganze Stolz des Führungsduos ist die auch für Gäste von außen geöffnete Kantine „Kochpunkt“. In diesem Zweckbetrieb, in dem sehr heterogenem Personal eingesetzt sei, werde mit frischen und regionalen Produkten gekocht und trotzdem – oder vielleicht sogar deswegen - werde ein vertretbarer Kosten- und Preisrahmen erreicht.

 

Der gesetzliche Mindestlohn spielt mittelbar für die Neue Arbeit auch eine Rolle. Stefanie Schneider: „Wir zahlen konsequent den Mindestlohn, ohne dazu als Arbeitsmarktdienstleister verpflichtet zu sein. Bei  Ausschreibungen könne man dadurch bisweilen einen Nachteil haben.  Umso wichtiger ist die gute Vernetzung mit den heimischen Mitbewerbern von Caritas und CJD in Wissen. Hier arbeite man gut und synergetisch – zuweilen als Bietergemeinschaft – zusammen.

 

Ein eindeutiges Defizit diagnostizierten die Geschäftsführerinnen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Thema „politische Bildung“. Ein Interesse an demokratischen Abläufen und an Politik sei kaum vermittelbar. Mit einem Augenzwinkern schlug Uwe Wallbrecher von der IG-Metall vor, doch mit der Gründung eines Betriebsrates als Vorbildfunktion anzufangen. 


Haben Sie noch einen Wunsch, war die abschließende Frage von DGB-Kreisgeschäftsführer Udo Quarz und die Antwort kam prompt: „Wir bräuchten eine alte Immobilie, die unsere Jugendlichen nach und nach renovieren könnten. Es tut uns immer in der Seele weh, wenn in der Bauwerkstatt die Mauern wieder eingerissen werden müssen und die Fliesen von der Wand geschlagen werden. Eine solche renovierte Immobilie würde dann nach und nach in ein betreutes Wohnen umgewandelt, in dem  junge Erwachsene lebenspraktisch unterstützt werden können.“

Wir bleiben in Verbindung, hieß es am Ende des Gesprächs und erste Vereinbarungen zu Kooperationen im Bereich der politischen Bildung sowie zur Nutzung des ansprechenden Neue-Arbeit-Gebäudes für gewerkschaftliche Tagungen wurden getroffen.


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