Deutscher Gewerkschaftsbund

28.09.2018

DGB COC: Lesung zum KZ-Außenlager Cochem Treis-Bruttig

DGB

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Im gut besetzten Gemeinschaftsraum der Berufsbildenden Schule in Cochem konnte Holger Kurzknabe, der Vorsitzende des DGB Kreisverbandes Cochem-Zell den Autor Ernst Heimes begrüßen.

Heimes las aus seinem Buch „Ich habe immer nur den Zaun gesehen...“, das er bereits vor mehr als 25 Jahren schrieb und im Moment neu bearbeitet und ergänzt. Er hatte einige Passagen ausgewählt, wie z.B. den über das braune Waschbecken im Keller seines Elternhauses. Erst als Erwachsener erfuhr er in einem Gespräch mit seinem Vater, dass dieses Waschbecken aus dem Tunnel stammte, in dem die KZ-Häftlinge von März bis September 1944 zur Zwangsarbeit herangezogen wurden.

Heimes beschäftigt sich mit dem Thema „KZ Außenlager Cochem und den Lagern in Bruttig und Treis“ seit mehreren Jahrzehnten und hat umfassend dazu recherchiert. So konnte er im Austausch, der auf die Lesung folgte u.a. die Information geben, dass es in Nazi-Deutschland 1037 Konzentrationslager gab, davon galten 23 Lager als Hauptlager und 8 waren ausgesprochene Vernichtungslager.  Im Juli 1944 waren in den Lagern in Bruttig und Treis mehr als 1500 Menschen untergebracht, die durch Arbeit ausgebeutet und vernichtet werden sollten.

Im Gespräch unter den Teilnehmenden wurde auch die Frage gestellt, wie es dazu kommen konnte, dass solange von der Bevölkerung dazu geschwiegen wurde, dass es im eigenen Dorf ein Konzentrationslager gab. Erst in den letzten Jahren würde das Tabu nicht mehr so stark wirken. Auch Heimes stellte sich diese Frage und erlebte immer wieder Anfeindungen, wenn er das Gespräch darüber suchte. Ein Teilnehmer gab folgenden Antwortversuch: nach dem Krieg kamen viele, die auch während des Nationalsozialismus in Amt und Würden waren, wieder in Positionen in der Verwaltung, in den Schulen, in der Justiz usw., so dass diese aus eigenem Interesse schwiegen. Ein anderer brachte es auf den Punkt: „Es war auch politisch und wirtschaftlich nicht gewollt.“

Dieter Mainzer, stellvertretender Vorsitzende des Kreisverbandes, der dem Autor zum Schluss des bewegenden Abends dankte, zog eine Parallele zur Gegenwart und rief dazu auf, Unrecht nicht schweigend hinzunehmen, sondern sich deutlich und entschieden zu positionieren für eine offene und tolerante Gesellschaft. Er bekam dafür vom Publikum zustimmenden Applaus.

Der DGB Kreisverband wird an dem Thema dran bleiben und plant für das Frühjahr weitere Veranstaltungen dazu, das versprach der Vorsitzende Kurzknabe.


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