Deutscher Gewerkschaftsbund

15.12.2014
DGB mahnt vor Folgen für das Alter

Atypische Beschäftigung im Kreis Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz nimmt zu

Atypische Beschäftigung im Kreis Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz nimmt zu

DGB mahnt vor Folgen für das Alter

 

„Wir dürfen nicht zulassen, dass Formen atypischer Beschäftigung immer mehr zunehmen, was deutliche Folgen für die Alterssicherung haben wird.“ So äußerte sich Gabi Weber, Regionsgeschäftsführerin des DGB, als sie sich die Zahlen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung WSI für die einzelnen Landkreise der DGB Region vergegenwärtigte. Als atypisch gelten: Teilzeit, Leiharbeit und Minijobs.

 

Für den Kreis Mayen-Koblenz belegen die Zahlen, dass 2003 insgesamt 52.656 sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse bestanden. In der Stadt Koblenz waren es 61.840. In 2013 waren es im Landkreis 59.696, d.h. eine Zunahme um gut 7000 Beschäftigte. In Koblenz weist die Statistik für 2013 insgesamt 68.619 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze aus. Auch hier eine Zunahme von fast 7000 Beschäftigungsverhältnissen.   

Beim Blick ins Detail ändert sich die positive Bewertung der Situation jedoch.

 

Gab es 2003 im Landkreis 8.613 und in Koblenz 10.868 Teilzeitstellen, zeigt die Statistik in 2013 für MYK 15.857 und für die Stadt 17.278, eine Zunahme von mehr als einem Drittel.

 

Dazu kommen noch die nicht als sozialversicherungspflichtig angesehenen Minijobs: In der gleichen Zeit stieg ihre Zahl im Landkreis von knapp 13.793 auf 25.307, für Koblenz von 9.837 auf 15.187, was einer  Zunahme ebenfalls von mehr als einem Drittel entspricht.

 

Die Zahlen belegen außerdem, dass die Zahl der nebenberuflichen Minijobs in diesem Zeitraum gravierend angestiegen ist: im Landkreis von 2.519 Stellen auf 7.797. Sie hat sich damit mehr als verdreifacht. In der Stadt von 2.133 auf 5.384, was auch mehr als eine Verdoppelung ist.

 

Die Zahl der Frauen, die nebenberuflich einen Minijob machen, wuchs in MYK von 1.445 auf 4.473 an, bei den Männern stieg die Zahl von nebenberuflichen Minijobbern von 1.074 auf 3.324.

Für die Stadt Koblenz liegen folgende Zahlen vor: Frauen von 1.305 auf 3.216 nebenberufliche Minijobs, bei den Männern von 828 auf 2.168.

 

Weber interpretiert die Zahlen so, dass Arbeitnehmer zunehmend so wenig verdienen, dass sie noch einen zweiten Job ausüben müssen. „Allein im Landkreis Mayen-Koblenz und der Stadt Koblenz sind dies nahezu 7.700 Frauen und 5.500 Männer. Das darf nicht sein. Hier wird der Mindestlohn ab 1.1.2015 hoffentlich eine deutliche Verbesserung bringen.“

 

Untermauert wird dies durch den Fakt, dass sich die Zahl der Teilzeitstellen im gleichen Zeitraum sowohl  im Landkreis als auch der Stadt sehr erhöht hat. Davon sind fast ausschließlich Frauen betroffen, 2013 haben sie im Landkreis 13.291 der 15.857 Teilzeitstellen inne, in 2003 waren es 7.672 von 8.613.

Für die Stadt Koblenz sind es 2013 diese Zahlen: Frauen haben 14.337 der 17.278 Teilzeitstellen inne. in 2003 waren es 9.463 von 10.868.  

Das heißt, hier hat sich anteilsmäßig nichts Wesentliches verändert, aber die absolute Zahl derer, die in Teilzeitarbeit sind, wird größer.

 

Dem entspricht, dass die Zahl der Vollzeitstellen im Landkreis von 44.039 auf 43.835,  und in der Stadt Koblenz von 19.799 auf 18.347 gesunken ist, wobei diese Zahlen geringer sind als in den benachbarten Landkreisen.

„Ich bedauere diese gesamte Entwicklung sehr,“ so Weber, „sie wird dazu führen, dass im Landkreis Mayen-Koblenz und auch in der Stadt Koblenz immer mehr Arbeitnehmerinnen und auch Arbeitnehmer Renten erhalten, die – da sie nach den erworbenen Ansprüchen errechnet werden – geringer sind.“ Zu den geringeren eigenen erworbenen Ansprüchen kommt dann die gesetzlich verankerte Kürzung der Renten noch hinzu, was die Situation doppelt prekär mache.

 

 

 

 


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