Deutscher Gewerkschaftsbund

18.01.2021

Interview mit Michael Heine

DGB

Michael Heine am 1. Mai 2018 in Koblenz. privat

Dachdeckergeselle

 

Mitglied der IG BAU und in folgenden Funktionen tätig:

Mitglied in der Mitgliederversammlung der Sozialkasse des Dachdeckerhandwerks, Mitglied der Bundestarifkommission Dachdeckerhandwerk,

Mitglied Dachdecker Fachgruppe Koblenz-Bad Kreuznach,

Prüfer für die Dachdeckergesellen BBS Mayen,

Vorstandsmitglied im DGB Kreisverband Westerwald,

Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz

 

 

 

Wie bist du zur Gewerkschaft gekommen?

 

Ich bin vor mehr als zehn Jahren durch einen Kollegen, der jemanden in der IG BAU kannte, zur Gewerkschaft gekommen. Ich habe mir alles angehört, was die Gewerkschaft zu bieten hat, und bin dann eingetreten, weil das aus meiner Sicht alles nur Vorteile waren.

Die Fachgruppe der Dachdecker ist ein starkes Team. Sie hat mich in die Arbeit eingebunden und auch gefördert. Dadurch bin ich zu einem festen Bestandteil der Gruppe geworden.

DGB

Dachdecker-Gruppe beim Parlament der Arbeit 2018 in Berlin. privat

Heute habe ich manchen Posten, weil ich nicht schnell genug Nein gesagt habe, aber bevor ein Platz oder ein Mandat nicht von uns Arbeitnehmern besetzt wird, mache ich es. Das ist wichtig.

Ich bin in die Arbeit hineingewachsen und die Gemeinschaft untereinander zählt für mich viel.

 

 

Kannst du mir aus deinem langjährigen Engagement drei Highlights nennen?

 

Ach, da kann ich ganz viele Erlebnisse benennen. Am meisten sind es die Begegnungen mit politischer Prominenz, die mich beeindruckt haben. Durch unsere Schieferaktion mit der Fachgruppe waren wir zweimal auf dem DGB Bundeskongress in Berlin und auch auf unserem IG BAU Kongress. Und auch hier in Koblenz am 1. Mai, als Malu Dreyer da war und sich ein Schieferherz geschlagen hat.

Es macht mir Spaß, in meiner Kluft das Handwerk zu präsentieren und dann auch mal auch mit kurzen knackigen und klaren Worten Dinge auf den Punkt zu bringen.

Mit unserer Schieferaktion sind wir auch ein Aushängeschild geworden – für die Gewerkschaften. Wir waren auch auf Veranstaltungen von der TBS in Mainz und Frankenthal, auf Hochzeiten und haben auch unsere regelmäßigen Aktionen für den Verein „Menschen mit Behinderung“ in Neuwied gemacht. Das war auch für 2020 wieder geplant und fiel leider wegen Corona aus. Das fand ich sehr schade.

Diese Aktionen sind von unserem Branchensekretär Michael Köther immer akribisch vorbereitet, was total klasse ist und zu der großen Resonanz beiträgt, die wir bekommen. Und wir in der Fachgruppe waren davon so begeistert, dass wir uns auch Urlaub dafür genommen haben. Die Gemeinschaft ist wichtig.

Aber eigentlich ist die tägliche Gewerkschaftsarbeit auch ein Highlight, wenn wir unseren Mann stehen und auch mal dem Arbeitgeber ordentlich Paroli bieten.

 

 

Du engagierst dich in der Handwerkskammer, bist Mitglied auf der Arbeitnehmerbank in der Vollversammlung. Was hat dich dazu bewogen, dieses Mandat zu übernehmen?

 

Das ist eines von den Ehrenämtern, wo ich nicht schnell genug Nein gesagt habe... (lacht) und ich bin hineingewachsen. Angefangen habe ich als Nachrücker, jetzt bin ich Vollmitglied.

Wir werden durch den DGB gut begleitet, haben Treffen, auf denen wir die aktuellen Informationen bekommen, Schulungen erhalten und uns austauschen.

Außerdem leistet der Berufsbildungsausschuss gute inhaltliche Vorarbeit, informiert uns und dann wissen wir in der Vollversammlung, worüber wir abstimmen. Das ist eine gute Teamarbeit.

Die Arbeit macht Spaß, ist auch nicht so zeitaufwändig und es ist notwendig, dass wir als Arbeitnehmer in der Vollversammlung unsere Plätze besetzen, damit wir bei den Abstimmungen das größtmögliche Gewicht haben.

Es geht um gute Ausbildung und die ist wichtig. Denn es macht mir Sorgen, dass es eine Flucht aus dem Handwerk gibt. Das Handwerk altert vor sich hin. Auch auf den Baustellen fehlt der gesunde Mix von Alt und Jung, das erlebe ich ja. Der Nachwuchs fehlt. Und ich frage mich oft, wie wir das Handwerk attraktiver machen können....

 

 

 

Für deine Gewerkschaft bist du auch im Vorstand des DGB Kreisverbandes Westerwald. Was bedeutet diese Mitarbeit für dich?

 

Das gibt mir die Möglichkeit, regional und vor Ort tätig zu sein. Da wir Gewerkschafter aus verschiedenen Branchen sind, die zu ganz unterschiedlichen Bedingungen arbeiten, ist es auch ein Blick über den Tellerrand.

Und wir haben interessante Sachen gemacht. Das letzte Highlight war die Beschäftigung mit dem Lieferkettengesetz, das dringend und nötig ist.

Auch das Gespräch mit dem Geschäftsführer vom Jobcenter war erhellend. Da habe ich verstanden, was alles im Hintergrund passiert, um Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Oder auch die Beschäftigung mit dem Thema Rente.

Alles Impulse, die sich lohnen und die mich weitermachen lassen. Jeder kann an seinem Platz etwas bewegen. Und wie ich immer sage: „wer nichts tut, sollte auch nichts kritisieren.“

 

 

Was war dein größter gewerkschaftlicher Erfolg bisher?

 

Also, ich mache das alles nicht, um selbst groß rauszukommen oder meinen persönlichen Erfolg zu haben. Es ist als Gewerkschafter immer eine Herausforderung, dem Arbeitgeber die Stirn zu bieten. Es geht mir um gute Arbeitsbedingungen für uns alle. Ich will einen Beitrag leisten, um ein gutes Gesamtergebnis für uns alle zu erreichen.

Bei einer Lohnerhöhung von 2,5% als Ergebnis einer Tarifverhandlung zum Beispiel kann man sicher nicht von einem großen Erfolg sprechen, ... aber wir haben es den Arbeitgebern nicht leicht gemacht und wir haben uns nach außen vertreten. Das ist, so wie ich das sehe, der Erfolg.

DGB

Gutschein zum Schieferschlagen auf dem Parlament der Arbeit 2018 in Berlin. privat

Dein Beruf ist körperlich anstrengend, du warst jetzt viele Jahre viel auf Montage unterwegs. Was möchtest du speziell für die Dachdecker erreichen?

 

Eines ist klar: wir können nicht bis 67 auf dem Dach herumklettern. Nur 10% von uns erreichen als Berufstätige überhaupt das normale Renteneintrittsalter. Die meisten müssen früher gehen. Wir brauchen für uns also eine gute Lösung.

Aus meiner eigenen beruflichen Erfahrung und aus meinen Erfahrungen in der Tarifkommission habe ich da so eine Idee entwickelt:

Ich denke an ein Lebensarbeitszeitkonto. Ich zahle Zeiten ein, Überstunden können stehenbleiben und ermöglichen mir, früher in Rente zu gehen. Die Konten könnten treuhänderisch über unsere Sozialkasse verwaltet werden.

Aus meiner Sicht geht es bei den nächsten Tarifverhandlungen nicht nur um Lohnerhöhungen, sondern vor allem um weniger Arbeitszeit.

Da will ich mich gerne für einsetzen und da werde ich viele Mitstreiter brauchen.

 

Was wünschst du dir für das noch neue Jahr 2021?

 

Naja, vor allem dass diese Corona- Sch.... vorbei ist.

Und so grundsätzlich: dass alle Leute die Kraft und Stärke haben, sich für ihre Interessen einzusetzen. Denn: jeder ist schon seines Glückes Schmied. Und in der Gewerkschaft kämpfen wir zusammen darum.

 

Danke für deine Bereitschaft, Michael, zu einem Interview.

 

 

Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.


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