Deutscher Gewerkschaftsbund

04.10.2023

Interview mit Mara Latus, IG Metall

Mara

Max Gerlach

 

Mara Latus, IG Metall

gelernte Werkstoffprüferin für Metalltechnik

2014 Ausbildungsbeginn bei Novellis Koblenz, seitdem Mitglied bei IG Metall Koblenz

2016 Jugendvertretung und Ortsjugendausschuss bei IG Metall Koblenz

2018 Betriebsrat

2020 Wechsel zur IG Metall als Jugendsekretärin Koblenz und Neuwied

 

Wie bist du zu deinem gewerkschaftlichen Engagement gekommen?

Ich habe meine Ausbildung in einem tarifgebundenen Betrieb gemacht, bin auch bewusst deshalb dorthin gegangen und damit war auch klar, dass ich Gewerkschaftsmitglied werde.

Direkt zu Beginn war ich 2014 mit auf der Großdemo in Köln, als die IG Metall die große Kampagne zur Bildung machte, und zum Abschluss gab es ein Konzert in der Lanxess Arena. Das hat mich beeindruckt – mit so vielen Menschen zusammen zu sein, die das Gleiche wollen wie ich.

Und ich habe erlebt, dass es okay ist, wie ich bin. Wir haben gleiche Interessen und das ist das Wichtige. Das ist das, was uns verbindet, und Äußerlichkeiten sind nicht wichtig.

In den letzten Jahren besuchte ich viele Seminare bei der IG Metall und ich bin total dankbar dafür, was ich da alles gelernt habe. Durch die Diskussionen, den überbetriebliche Austausch mit anderen jungen Menschen und die interaktiven Methoden in der Bildungsarbeit der IG Metall, konnte ich mich weiterentwickeln. Dadurch habe ich verstanden, was der Satz bedeutet: „Wissen ist Macht!“

Es tat gut, dabei Menschen kennen zu lernen, die die gleichen Ziele, Vorstellungen und Werte haben. Wir setzen uns zusammen in der Region für gute Tarifverträge ein, in denen wir eine gute Ausbildung und gute Arbeitsbedingungen verankern. 

Außerdem ist es uns wichtig, die Mitbestimmungsstrukturen zu erhalten und deshalb sind wir eine klare Gegenbewegung zu den Rechten. Wir Jungen haben aus meiner Sicht auch eine Verantwortung dafür, dass das, was die Generationen vor uns erstritten und erkämpft haben, bewahrt wird. Das sind wir ihnen schuldig, das sehe ich so, und das hat für mich etwas mit der Würdigung ihrer Leistung und ihres Einsatzes zu tun. 

Und als dann in Koblenz die Stelle für eine Jugendsekretärin frei wurde, habe ich die Chance ergriffen und bin vom Ehrenamt ins Hauptamt gewechselt.

 

Gibt es Erfahrungen und Ereignisse, die dir aus deiner Tätigkeit wichtig sind?

Kannst du zwei oder drei Beispiele benennen?

Ja, das kann ich.

Für mich ist der 24 Stunden Warnstreik bei uns im Betrieb 2018 im Rahmen der Tarifverhandlungen ein wichtiges Ereignis. Ich war damals Vertrauensfrau und Streikhelferin und es war schon beeindruckend, als wir - fast - alle zusammen vor dem Werkstor standen und uns klar wurde, weil wir jetzt nicht in den Betrieb gehen, steht er still. Weil wir alle an einem Strang ziehen, können wir etwas bewegen. Dieses Gemeinschaftsgefühl hat etwas, das Kraft gibt. Wir haben damals darum gekämpft, dass Geld auch in Freizeit umgewandelt werden kann.

Ein anderes Beispiel ist meine erste Rede. Das war bei der Veranstaltung gegen die Versammlung der Europäischen Rechten in Koblenz im Januar 2017. Mehr als 5000 Menschen demonstrierten damals gegen den Kongress in der Rhein-Mosel-Halle. Das Motto war: "Koblenz bleibt bunt! - Kein Platz für Populismus und Rechtsextremismus".

Ich erinnere mich noch daran, wie aufgeregt ich war. An die Rede selbst habe ich fast keine Erinnerung mehr. Ich weiß noch, dass ein mir fremder älterer Mann im Publikum mein Anker in der riesigen Menschenmenge war. Er nickte immer zustimmend mit dem Kopf und das gab mir Mut, weiter zu reden und ein klares Bekenntnis für eine bunte Gesellschaft abzulegen.

Und ein drittes Beispiel ist für mich die Zusammenarbeit in der Gewerkschaftsjugend. Wir sind füreinander da. Wir haben die gleiche Basis, treten für dieselben Werte ein. Daraus entstehen tragfähige Freundschaften. Und es gibt eine Selbstverständlichkeit im Umgang miteinander, die gut tut.

 

Was ist dein Anliegen? Was möchtest du bewirken?

Ich möchte, dass junge Menschen auch diese Erfahrungen machen können, von denen ich eben erzählt habe. Ich möchte sie empowern und sie erleben lassen, dass sie etwas bewirken können. Das ist so der gesellschaftspolitische Teil meiner Arbeit, der mir wichtig ist.

Und ich möchte natürlich, dass sie eine gute Ausbildung erhalten und auch danach bei guten Arbeitsbedingungen arbeiten. Das geht in tarifgebundenen Betrieben. Deshalb setze ich mich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen für die möglichst flächendeckende Tarifbindung ein.

 

Welche Bedeutung hat der DGB bei deinem Tun?

Ich bin auch in der DGB-Jugend aktiv und finde den branchenübergreifenden Austausch wichtig. Diese Vernetzung und das gemeinsame Eintreten wie z.B. gegen die Rechten ist ungeheuer wichtig.

Der DGB als Dachverband ist für seine Mitgliedsgewerkschaften und für das gemeinsame politische Wirken aus meiner Sicht unverzichtbar.

Gruppe

Gemeinsame Aktion der DGB-Jugend Koblenz im Sommer 2022. Mara Latus, dritte von links. DGB

Im Moment planst du die Azubimesse, die in Weißenthurm stattfindet. Was möchtest du damit erreichen? Wann ist sie für dich erfolgreich?

An der Messe nehmen nur tarifgebundene Betriebe aus dem nördlichen Rheinland-Pfalz teil. Bisher haben 20 Betriebe ihre Zusage gegeben. Das allein ist schon ein Erfolg.

Es sind Betriebe aus der Metall- und Elektrobranche vertreten, ebenso Textilbetriebe. Auch das KfZ-Handwerk ist dabei sowie die Feinblech- und Verpackungsindustrie.

Nach der Corona-Zeit mit ihren Beschränkungen kommen junge Menschen auf den Arbeitsmarkt, die nicht wie vorher einen leichten Zugang zu Praktika hatten. Deren Berufsorientierung braucht andere Möglichkeiten.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wollen wir einen Ort schaffen, an dem sich interessierte Jugendliche und junge Erwachsene mit den Betrieben treffen. Wenn daraus Ausbildungsverhältnisse entstehen, ist dies ein konkreter Erfolg.

 

Wo siehst du dich in fünf oder zehn Jahren?

Das weiß ich nicht. Ich weiß, dass das, was ich jetzt tue, viel mit meinen Werten zu tun hat und ich meine Arbeit als sinnvoll empfinde. Wohin mich das führt, ist für mich offen.

Jetzt gerade bin ich Jugendsekretärin bei der IG Metall und kann meinen Beitrag geben zu einer Arbeitswelt mit guten Bedingungen. Das macht mich froh.

 

Danke, Mara, für dieses Gespräch. Ich wünsche dir für die Messe und darüber hinaus gutes Gelingen!

 

 

Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.

 

 


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