Deutscher Gewerkschaftsbund

23.11.2022
Vollversammlung der Handwerkskammer tagt

Vizepräsident Noll fordert flächendeckende Tarifverträge

DGB

Joachim Noll, Vizepräsident der Arbeitnehmer. DGB

In seiner Rede auf der jährlichen Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz fordert Joachim Noll, Vizepräsident der Arbeitnehmer, flächendeckende Tarifverträge, die ein wesentliches Instrument zur Bekämpfung des akuten Fachkräftemangels seien. „Auch die Arbeitgeber gewinnen aus meiner Sicht langfristig dadurch. Verlässlichkeit und Planbarkeit ist das, was sie gewinnen sowie ein hoher Qualitätsstandard, der die Kundenbindung garantiert. Gute Arbeitsbedingungen, angemessene und faire Löhne sind Garanten für nachhaltiges Unternehmertum.“ Ein richtiger Schritt in diese Richtung sei die Gründung eines Betriebsrates bei einem großen Autohaus hier in der Region, von dem sich Noll eine Sogwirkung auf andere Betriebe der Branche erhofft.

Noll, selbst KFZ-Meister, bekräftigt, dass sich das Handwerk aktuell in einer schwierigen Situation befände. Der Fachkräftemangel sei ein dringend zu bewältigendes Problem, das mittlerweile Auswirkungen darauf habe, welche Aufträge ein Betrieb überhaupt noch annehmen könne. Das habe Folgen für den unternehmerischen Erfolg.

Gleichzeitig seien die Lieferketten nach wie vor nicht zuverlässig und damit eine Planung der Kosten schwierig. Und es sei festzustellen, dass sich die jungen Menschen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen, die umzusetzen im Handwerk schwierig sei. Gleichzeitig sei klar, um Fachkräfte im Handwerk zu halten, brauche es gute Arbeitsbedingungen.

Besonders heikel sei aber im Moment, dass die Betriebe die Energiekosten nicht abschätzen könnten. „Die ersten Bäckereien auch bei uns in der Region geben schon auf. Und das ist ein Alarmzeichen aus meiner Sicht. Politik muss sich auch für die Handwerksbetriebe einsetzen. Energiekosten übernehmen und entlasten, sonst bleiben z.B. nur die industriellen Backfirmen übrig und die Backautomaten in den Discountern, während die wirklichen Bäckereien mit ihren Backstuben aussterben.“ Noll sieht in dem geplanten 49 € Ticket eine Alternative zu dem schon lange geforderten Job-Ticket für Auszubildende und bringt die Übernahme dieser Kosten durch den Arbeit-geber als ein Element ins Spiel, um das Handwerk attraktiver zu machen für junge Leute.

Gleichzeitig forderte er die anwesende Wirtschaftsministerin von Rheinland-Pfalz Daniela Schmidt dazu auf, sich für den nötigen Ausbau des ÖPNV im ländlichen Bereich einzusetzen und Mittel dafür zur Verfügung zu stellen. Denn nur so sei das 49 € Ticket auch auf dem Land ein nachhaltiges Instrument.

Wichtig war dem Arbeitnehmervizepräsident auch zu betonen, dass Arbeitnehmer und Arbeitgeber im selben Boot säßen und die Gestaltung der Zukunft nur gemeinsam gelingt.

 


Zur Person: Joachim Noll

Gelernter KFZ- Meister und Ausbilder, IG Metall Mitglied, Arbeitnehmervizepräsident der HWK Koblenz, Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der rheinlandpfälzischen Handwerks-kammern, Vertreter der Arbeitnehmervizepräsidenten im Deutschen Handwerkskammertag

 


Vollversammlung der Handwerkskammer:

Es gibt eine jährliche Sitzung. Alle fünf Jahre wird die Vollversammlung neu gewählt und 16 der 48 Mitglieder sind Arbeitnehmervertreter.

Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen haben einen Vertreter im Präsidium der Handwerkskammer, den Vizepräsidenten der Arbeitnehmerseite.

Neben ihm gibt es einen Vizepräsidenten der Arbeitgeber sowie den Präsidenten, der ebenfalls die Arbeitgeberseite vertritt.

Der Vorstand besteht aus neun Personen, davon sechs von der Arbeitgeberseite und drei von der Arbeitnehmerseite.

Zu den Aufgaben des DGB gehört es, das Lager der Arbeitnehmer zu koordinieren. Dazu arbeitet der DGB mit seinen Mitgliedsgewerkschaften zusammen, in denen die Hand-werksberufe betreut werden. Das sind vor allem IG Metall, IG BAU, ver.di sowie NGG und in einigen Berufen auch die IG BCE und EVG.


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