Deutscher Gewerkschaftsbund

01.09.2020

Interview mit Anne Merz

DGB

Anne Merz DGB

Anne Merz, GEW

Funktionen:

  • Vorsitzende Bezirk Koblenz,
  • Mitglied im Leitungsteam Rhein-Hunsrück Kreis

  

Du bist seit kurzem Bezirksvorsitzende in Koblenz für die GEW. Das ist ein Ehrenamt. Was hat dich dazu bewogen, das Amt anzunehmen?

Ich möchte dazu beitragen, die bildungspolitischen Ziele der GEW RLP voranzubringen. Die Klassenmesszahl, - damit ist die die festgelegte Anzahl der Schülerinnen und Schüler in einer Klasse gemeint -,  die Unterrichtsversorgung, die personelle Besetzung in allen Schularten, die Stellenzuweisung für sogenannte Feuerwehrlehrkräfte und die Lehr- und Lernmittelfreiheit sind dabei zentrale Themen.

Den Bezirk Koblenz und seine Kreise weiter zu stärken, ist mir besonders wichtig, um dieser Region im Flächenland RLP Gewicht zu geben.

 

Wie waren für dich die ersten Monate im Amt? Was hat dich besonders beschäftigt in dieser Zeit mit Corona?

Eine wichtige Aufgabe sehe ich darin, Fortbildungen anzubieten, besonders die Örtlichen Personalräte an Schulen zu stärken und durch Schulbesuche vor Ort zu unterstützen.

Ebenso wichtig ist es mir, die verschiedenen Fachgruppen, - wir haben u.a. Fachgruppen für die unterschiedlichen Berufsgruppen, die Mitglied bei uns sind, wie z.B. die Fachgruppe für sonderpädagogische Berufe -, in unserem Bezirk zu unterstützen und weiter auszubauen, in dem wir uns vernetzen, um wichtige Themen aufzugreifen und voran zu bringen.

Leider konnten durch Corona einige geplante Veranstaltungen nicht stattfinden. Umso wichtiger war und ist es, über digitale Medien in Kontakt zu bleiben. 

 

Kannst du noch etwas zu deinen weiteren gewerkschaftlichen Funktionen sagen? Gibt es ein Erlebnis, eine Erfahrung, die dafür besonders wichtig sind?

Da ich ausgebildete Erzieherin und Heilpädagogin bin und sowohl in der Kita wie im Heimbereich eingesetzt war und nun Pädagogische Fachkraft in einer Förderschule bin, konnte ich in diesen Bereichen Kompetenzen erwerben. Dazu gehört auch, dass ich mich dafür eingesetzt habe und vehement weiter dafür einsetzen werde, dass gut ausgebildetes Personal eingestellt und entsprechend honoriert wird.

Besonders wichtig ist mir, dass Pädagogische Fachkräfte in RLP eine sonderpädagogische Weiterbildung angeboten bekommen.

Für die GEW bin ich im Hauptpersonalrat Förderschulen, im Leitungsteam der Landesfachgruppe Sonderpädagogische Berufe, in der Landestarifkommission, in der Bundestarifkommission-L, in der MoPS AG (Modulare Personalrats-Schulungen) und als Bezirksvorsitzende Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand.

 

Welches sind die Themen, die für dich zurzeit oberste Priorität in deinem Amt haben? Wie willst du sie angehen?

Es fällt mir schwer hier eine Priorität zu nennen. Da ist der Einsatz für A13 in der Grundschule genauso wichtig wie die Weiterbildung für pädagogische Fachkräfte und damit eine verbesserte Kompetenz, die auch die Eingruppierung verbessern muss.

 

Was bedeutet, Einsatz für A13 in der Grundschule, Anne?

A 13 ist eine Gehaltsstufe für Beamt*innen. In Grundschulen werden zurzeit Lehrkräfte mit A 12 niedriger eingruppiert als in allen anderen Schulformen und Lehrämtern.

 

Und weitere Themen für dich sind?

Da ist das Voranbringen der Inklusion mit ausreichendem und geschultem Personal in allen Schulformen und Kitas, Stichwort multiprofessionelle Teams, genauso wichtig wie das Absenken der

Klassenmesszahl und das Absenken der Unterrichtsverpflichtung für Lehrkräfte in allen Schularten. Genauso wichtig ist der Personalschlüssel, die Erzieher*innen Kind Relation, und die Vorbereitungszeit in Kitas sowie die entsprechende Raumausstattung und Bezahlung.

Da ist der Personalmangel in vielen Heimeinrichtungen genauso wichtig wie die Zusammenarbeit mit den Jugendämtern und sonderpädagogischen Einrichtungen.

Da ist der Personalmangel in Werkstätten für behinderte Menschen genauso wichtig wie die fehlende Anzahl an Plätzen und kompetenter Betreuung auch auf dem regulären Arbeitsmarkt sowie auf dem Wohnungsmarkt.

Ich kann da keine Prioritätenliste erstellen. Es sind wirklich alle Themen für mich gleich wichtig.

 

Welche Rolle kann der DGB als Dachverband dabei spielen?

Da der DGB klare Position für die Interessen der Arbeitnehmer*innen bezieht und sich stark macht für eine solidarische Gesellschaft unabhängig von Herkunft und Geschlecht, fühle ich mich unter diesem „Dach“ gut vertreten und wohl - und wünsche auch weiterhin diese Ziele verfolgt zu sehen. Der Austausch und die Zusammenarbeit im Bezirk Koblenz funktionieren gut. Danke! So soll es auch in Zukunft bleiben.

 

Wenn wir die Zeit zehn Jahre weiterdrehen: was möchtest du bis dahin erreicht haben?

Mein Wunschziel ist mehr Gerechtigkeit in der Bildung und in der Gesellschaft.

Als Arbeiterkind habe ich in meiner Jugend schon erlebt, wie schwierig es ist, sich eine gute Ausbildung zu erarbeiten. Da, wo eine Unterstützung aus dem Elternhaus nicht möglich ist, muss dafür gesorgt sein bzw. werden, dass z.B. Hausaufgabenhilfe ermöglicht wird. In diesem Zusammenhang  ist zwar die teilweise Lernmittelfreiheit zu nennen, aber meines Erachtens nur als ein kleiner erster Schritt zu sehen.

Ich möchte, dass Pädagogische Fachkräfte für ihren Bereich wirklich gut ausgebildet sind und in die Entgeltgruppe 10 eingruppiert werden.

Ich möchte hier die Themen aus der Frage nach meinen Prioritäten wiederholen! Sie werden mir erhalten bleiben! …

 

Gibt es noch etwas, was du darüber hinaus über dich und dein Engagement sagen möchtest?

So lange ich denken kann, habe ich mich gegen Ungerechtigkeiten gewehrt und mich für die Betroffenen eingesetzt, egal ob es sich um „Schutzbefohlene“ oder um Mitarbeiter*innen handelte. Leider ist es mir noch zu wenig gelungen, aber der feste Wille ist nach wie vor vorhanden.

 

Danke, Anne, für die Möglichkeit, im Austausch mit dir zu sein.

 

 

 

Die Gespräche führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.


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