Deutscher Gewerkschaftsbund

25.03.2019
Internationale Wochen gegen Rassismus

Rückblick: Veranstaltungen mit Edith Erbrich

Menschenverachtung und „geheime Helden“


Montabaur

Die Veranstaltung in Montabaur in Zusammenarbeit mit Jugendhaus und vhs Montabaur war voll. Etwa 80 Interessierte kamen. Das Grußwort des Bürgermeisters der VG Montabaur Ulrich Richter-Hopprich machte deutlich, wie wichtig das Erleben von Zeitzeuginnen für eine Annäherung an die Geschichte ist.

Edith Erbrich las aus ihren Erinnerungen „Ich habe das Lachen nicht verlernt“ und ergänzte sie auch durch aktuelle Erfahrungen. So hat sie zum Beispiel bewirkt, dass ein Steg auf dem Gelände der EZB den Namen Edith-Erbrich-Steg erhalten hat. Die EZB steht auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle in Frankfurt, die der Sammelpunkt für die Frankfurter jüdischen Mitbürger  und –bürgerinnen vor dem Abtransport in die Konzentrationslager war.


Koblenz

DGB

Im Koblenz hingen über 100 Jugendliche und junge Erwachsene an den Lippen von Edith Erbrich. DGB

Edith Erbrich berichtete von ihrem Leben: mit 6 Jahren wurde sie in den letzten Kriegstagen als „Mischlingskind“ von den Nazis ins KZ Theresienstadt deportiert - zu diesem Zeitpunkt war Auschwitz bereits befreit!
Nach dem Krieg ging Edith Erbrich – damals noch unter ihrem Mädchennamen Bär – auf eine normale Schule, erlernte einen Beruf, wurde Gewerkschaftsmitglied und lebte ein ganz normales Leben.
Bei der Veranstaltung im Koblenz-Kollegg war es rappelvoll und dennoch so leise, dass eine fallende Stecknadel zu hören gewesen wäre …
Der Bericht wühlte einige Schülerinnen so auf, dass Tränen flossen, worauf Edith Erbrich die passenden tröstenden Worte fand.
Zu der Veranstaltung hatten gemeinsam DGB Stadtverband Koblenz, Kulturdezernentin Frau Theis-Scholz und das Koblenz-Kollegg eingeladen.

DGB

Edith Erbrich DGB


Seelbach/Altenkirchen

Der DGB-Kreisverband Altenkirchen hatte im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus – zusammen mit dem „Bunten Bündnis Westerwald“ – in das „Rote Haus“ in Seelbach bei Flammersfeld eingeladen, um Gelegenheit zu geben, an den Erinnerungen der Frankfurterin teilzuhaben.

"Die Aufseherinnen sagten uns kleineren Kindern, morgen komme ein ganzer Waggon mit Süßigkeiten. Als der erwartete Waggon dann voller Leichen war, wussten wir, warum die älteren Kinder am Tag vorher helfen mussten, ein großes Loch zu graben". Solche Passagen im Vortrag der heute 82-jährigen Edith Erbrich, Überlebende des KZ Theresienstadt, machten für die rund 40 Zuhörerinnen und Zuhörer klar, wie wichtig es ist, den letzten Zeitzeugen immer wieder ein Forum zu geben.


Edith Erbrich ist – zusammen mit ihrem „Papa“ und ihrer Schwester Anfang 1945 von Frankfurt nach Theresienstadt deportiert worden. Die nichtjüdische Mutter blieb in Frankfurt. Die Repressalien und Existenznöte, denen die Familie bereits in Frankfurt ausgesetzt war, die unmenschlichen Transportbedingungen in Viehwaggons, die Trennung der Familie in der zum KZ umfunktionierten tschechischen Garnisonsstadt, die menschenverachtende Nazi-Ideologie und die Gnadenlosigkeit des Wachpersonals: All das schockierte und fesselte die Zuhörerinnen und Zuhörer.
Wie später rekonstruiert wurde, hätte Edith Erbrich am 10.- oder 11. Mai 1945 in Auschwitz „endbehandelt“ werden sollen. Die Befreiung dieses nazi-deutschen Vernich-tungslagers in Polen durch die Rote Armee und das in Theresienstadt mit einigen Tagen Verspätung „ankommende“ Kriegsende haben dieses Schicksal der Familie verhindert; der Vater und seine beiden Töchter sind nach der Befreiung von der Nazi-Herrschaft durch die Alliierten noch in Theresienstadt zusammengeführt und nach Frankfurt zurückgebracht worden.
Edith Erbrich war auch wichtig, an die vielen unerkannten „geheimen Helden“ zu erinnern. So seien ausnahmslos alle vorfrankierten Postkarten, die ihr Vater – versehen mit Datum und Uhrzeit – heimlich deponiert oder aus dem stehenden Waggon geworfen habe, zu Hause bei der Mutter angekommen. Ihrer ersten Volksschullehrerin nach dem Krieg habe sie zu verdanken, dass sie ins Leben zurückgefunden habe.

Nach dem Vortrag und einer Erholungspause entspann sich ein von Empathie geprägtes Gespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Wie sie als Kind von 7 Jahren das alles überstanden habe, wollte eine Zuhörerin wissen. „Ich konnte das alles – auch lange nach dem Krieg – nur aushalten, weil ich mich mit meiner Schwester ständig ausgetauscht habe. Wir haben uns gegenseitig therapiert“, war die Antwort
Seit 20 Jahren ist Edith Erbrich als Zeitzeugin mit ihren Vorträgen unterwegs, um die Erinnerung wachzuhalten und die heutigen Generationen zu mahnen. „Das große Interesse und die Dankbarkeit der jungen Leute, die ich besonders in Schulen erfahre, geben mir die Kraft dazu“, erklärte Edith Erbrich. Diesen Dank brachten auch Hausherr Hermann Nick und DGB-Kreisvorsitzender Bernd Becker zum Ausdruck und überreichten kleine Präsente.

DGB

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollten gegen Rassismus und für Menschenfreund-lichkeit Gesicht zeigen. Kurzerhand gesellte sich Edith Erbrich – Bildmitte vorne – zum Pub-likum und die Bühnen-Deko wanderte nach hinten in den Saal. Recht neben Edith Erbrich DGB-Vorsitzender Bernd Becker und links Hermann Nick vom „Roten Haus“. DGB


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