Deutscher Gewerkschaftsbund

01.12.2020

Vollversammlung der Handwerkskammer tagt

Arbeitnehmervizepräsident der Handwerkskammer Koblenz Joachim Noll plädiert für Tarifverträge

Am 26. November fand die diesjährige Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz statt. Im Mittelpunkt stand der Rückblick auf das Jahr 2020, das durch die Corona-Krise auch für die Arbeit der Handwerkskammer und die Handwerksbetriebe herausfordernd war und ist.

Die Sitzung fand hybrid statt: der Vorstand traf sich präsent und alle Mitglieder der Vollversammlung sowie Gäste waren online live zugeschaltet.

Zu Beginn sprach Staatssekretärin Daniela Schmitt, die dafür extra angereist war.

 

 

DGB

Joachim Noll. privat

Nach der Rede des Präsidenten Kurt Krautscheid sprach Joachim Noll, Arbeitnehmer-Vizepräsident der HWK.

„Ich trete dafür ein, dass es flächendeckende Tarifverträge gibt. Gerade jetzt in der Zeit der Pandemie zeigt sich, wie wichtig sie für die Absicherung der Arbeitnehmer und –nehmerinnen sind“, betont Noll. Der gelernte KFZ-Meister weiß, wovon er spricht, hat er doch gerade erlebt, dass die Tarifverträge im KFZ-Handwerk von den Arbeitgebern nicht verlängert wurden. Deshalb appellierte er als Arbeitnehmervertreter in seiner Rede vor der Vollversammlung der Handwerkskammer Koblenz: „Wenn wir in absehbarer Zeit nicht eine noch größere Flucht aus dem Handwerk in die Industrie erleben möchten, appelliere ich an die handelnden Personen, die Gespräche so schnell wie möglich wiederaufzunehmen und für die Beschäftigten und ihre Betriebe vernünftige Tarifverträge zu verhandeln und auch abzuschließen. Tarifverträge sind ein wichtiger Beitrag, um das Handwerk zu stärken.“
Nur mit guten Arbeitsbedingungen ist aus seiner Sicht motiviertes, engagiertes, gut ausgebildetes und branchentreues Personal ans Handwerk zu binden.

Er berichtete auch von seiner Arbeit in verschiedenen Gremien, hier ein Ausschnitt aus seiner Rede:

„In meiner Eigenschaft als Vize habe ich mich in den letzten Monaten in verschiedenen Gremien mit folgenden Themen beschäftigt:

1.       Im Rahmen der eben genannten Strategietagung wurde am Samstag, den 29.08.2020, ein Bildungspolitisches Arbeitspapier der vier Arbeitnehmer-Vizepräsidenten der Handwerks-kammern aus Rheinland-Pfalz mit dem Titel „Ausbildung während der Corona-Pandemie“ erstellt und im Anschluss an das Bildungsministerium in Mainz versendet. Eine positive Rückmeldung von dort haben wir bereits und nun wird es am 8. Dezember dieses Jahres ein Gespräch darüber geben.

2.       Inhaltlich und thematisch sind wir mit den „Bildungspolitischen Forderungen des Handwerks“ anlässlich der Landtagswahlen 2021, die die Bildungsreferenten und –referentinnen der vier Kammern in unserem schönen Bundesland erarbeitet haben, im Schulterschluss. Denn Ausbildung sichern, heißt auch Zukunft sichern.

Ich möchte hier nur eine Forderung benennen, die für mich zentral  ist:

Und zwar die Digitalisierungsoffensive der Bildungsstätten und der überbetrieblichen Ausbildungsstätten. Mit ihr soll die hohe Qualität in der Ausbildung weiterhin gewährleistet werden und Zukunft gesichert.

3.       Außerdem möchte ich hier für den Beschluss des Papieres der Arbeitsgemeinschaft der Rheinland-pfälzischen Handwerkskammern mit dem Titel „Aufschwung und Erneuerung nach der Pandemie“ als Forderung des Handwerks werben. Und ich möchte auch deutlich darauf hinweisen, dass bei den anstehenden redaktionellen Änderungen die Arbeitnehmersicht beachtet und besprochen wird. Ich bzw. wir sind sowohl Mitarbeit als auch zur endgültigen Bearbeitung des Textes bereit, bevor er veröffentlicht wird.“

Wichtig war dem Arbeitnehmervertreter auch die Würdigung des Umgangs der HWK mit der Krise:

„Ich möchte aber an dieser Stelle, es nicht versäumen, die beispiellose Vorgehensweise unserer Handwerkskammer ausdrücklich zu loben. Hier wurde nach Lösungen gesucht und nicht wie in vielen Kammern unserer Republik der Kopf in den Sand gesteckt, um  abzuwarten, bis der Spuck vorbei ist.

Schon Ende April wurden Hygienestraßen vor den Bildungszentren eingerichtet. Die Ausbilderinnen und Ausbilder wurden mit Corona konformer persönlicher Schutzausrüstung ausgestattet und die Ülus (Überbetriebliche Lehrunterweisungen) wurden an vier Tagen einschließlich der Samstage, und dies in Absprache mit den Mitarbeitern und des Personalrats, durchgeführt.

Hier wurde auch nicht die Ausbildungszeit der Unterweisungen gekürzt, wie eine Empfehlung des ZDH lautete.

Wenn nun auch das BMWi eine Verlängerung dieser Maßnahme bis zum 31.07.2021 empfiehlt, gehen wir davon aus, dass dieses gute und bewährte Ausbildungskonzept, bis zum Regelbetrieb der Lehrlingsunterweisungen, weiterhin in dieser hohen Qualität fortgeführt wird.  

Auch konnten die Fortbildungslehrgänge in Hybridform weiter durchgeführt werden. Dies nennen wir „gelungenes Krisenmanagement“, vielen Dank an alle Beteiligten, die in dieser angespannten Zeit spontan so flexibel reagiert haben.“

Folgende Personalentscheidungen, die die Vollversammlung über geheime Wahlen traf, sind aus Sicht der Arbeitnehmenden wichtig: Der Maurer Markus Morawietz, Mitglied in der  IG BAU wurde als neues Mitglied in den Vorstand gewählt. Er folgt auf das Arbeitnehmer-Mitglied Karl-Heinz Müller (Schachtmeister aus Kirchwald), ebenfalls IG BAU, der aus Vorstand und Vollversammlung ausgeschieden ist. Ihm wurde ausdrücklich für seine langjährige Mitarbeit in der HWK gedankt. Sein Mandat in der Vollversammlung übernimmt Klaus Withum, Maurermeister aus Neuwied.

Für die Mitglieder der Vollversammlung, die die Arbeitnehmenden vertreten,  hatte das Projekt Perspektive Selbstverwaltung PerSe zusammen mit Joachim Noll und dem DGB Koblenz Anfang November zu einer Veranstaltung eingeladen. In ihr  ging es um die Vorbereitung der Vollversammlung für die Arbeitnehmervertreter und –vertreterinnen, die diese Funktion ehrenamtlich ausüben.

 

Die Pressemeldung des DGB über die Rede Joachim Nolls:

 

Pressemeldung der HWK über die Vollversammlung:

https://www.hwk-koblenz.de/artikel/traditionsveranstaltung-in-voellig-neuem-modernem-format-52,0,832.html


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