Deutscher Gewerkschaftsbund

20.06.2022

Interview mit Silke Präfke, ver.di

SP

privat

 

 

Funktionen:

stellvertretende Personalratsvorsitzende Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz,

Vorsitzende des Landespflegebeirates im Landesbezirk ver.di Mittelrhein,

Mitarbeit im Bezirksfachbereichsvorstand FB C und Landesfachbereichsvorstand FB C in RLP,

sowie weitere Funktionen innerhalb von ver.di, auch als Referentin in der Bildungsarbeit von ver.di tätig,

seit 2016 verschiedene Funktionen für die Landespflegekammer RLP, seit 2021 im Vorstand,

ehrenamtliche Arbeitsrichterin

 

Du bist Stellvertretende Vorsitzende im Personalrat des Bundeswehrzentralkrankenhauses hier in Koblenz, seit wann machst du diese Tätigkeit?

Zunächst etwas zu unserer Struktur: Unser Personalratsgremium besteht aus 25 Vertreter*innen für drei Beschäftigtengruppen, diese teilen sich auf in: 14 Soldat*innen, eine Beamtin und 10 Arbeitnehmer*innen. Für die Arbeitnehmer*innen bin ich die zuständige Gruppensprecherin. Im BwZKrhs gelten zwei Tarife für die Tarifbeschäftigten: Entweder der TVöD Bund oder der TV-Land.

Ich war schon länger als ordentliches Mitglied im Personalrat, als die Funktion der Gruppensprecherin der Arbeitnehmer*innen und stellvertretenden Vorsitzenden 2018 neu zu besetzen war. Nach langem Zögern entschloss ich mich, für dieses Amt zu kandidieren, nachdem ich dies mit den anderen Vertreter*innen im Personalrat besprochen hatte. Bei der anschließenden Wahl wurde ich einstimmig von allen Statusgruppen für diese Funktion nominiert. 2020 habe ich erneut für den Personalrat und als stellv. Vorsitzende kandidiert und bin in beiden Funktonen wiedergewählt worden, was mich sehr freute und auch ermutigte.

Ich bin gelernte Krankenschwester und habe zuletzt in der Ambulanz für Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie im BwZKrhs Kobelnz gearbeitet.

Mit der Freistellung habe ich dann auch begonnen, mich verstärkt mit unseren Tarifverträgen zu beschäftigen. Im ersten Jahr habe ich daher viele Weiterbildungen besucht. Diese Fachkenntnis ist wichtig für das tägliche Dienstgeschäft einer Personalrätin, da ich alle Personalmaßnahmen, die wir zur Mitbestimmung vorgelegt bekomme, auf ihre Richtigkeit kontrolliere. Diese Kenntnisse sind auch nötig, um die Menschen, die zu mir kommen, adäquat beraten zu können.

 

Wie bist du denn zu deinem gewerkschaftlichen Engagement gekommen? Gibt es einen konkreten Auslöser?

Ich bin ein grundsätzlich politischer Mensch. Ich war bereits in einer JAV organisiert, als es diese noch gar nicht im Betriebsverfassungsgesetz oder den Personalvertretungsgesetzen gab. Das war 1985 in meiner Ausbildung. Außerdem war ich schon in der Pfadfinderarbeit bei der DPSG aktiv und dort auch auf Bistumsebene im Bezirksvorstand tätig.  Als alleinerziehende Mutter konnte ich mich dann allerdings erst wieder mehr engagieren, als die Kinder größer waren, wie das bei Frauen so ist.

Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Ich finde wichtig, dass wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer uns organisieren und für unsere Interessen eintreten. Dazu braucht es eine starke Gemeinschaft.

So bin ich Mitglied bei ver.di geworden. Und da ich gerne dazu lerne und mich auch ständig weiterbilde, bin ich nach und nach in verschiedene Funktionen hineingewachsen.

 

Welche Bedeutung hat deine Gewerkschaft ver.di für deine Tätigkeit?

Eine große. Ver.di ist die Gemeinschaft, die mir den Rücken stärkt. Die Bildungsangebote schätze ich sehr und nutze diese auch. Mittlerweile teame ich auch selbst bei Seminaren von ver.di zu ganz unterschiedlichen Themen: Zum Bundespersonalvertretungsrecht, TVöD, Sozialpolitik sowie zu Frauenthemen und so weiter. Das mache ich gerne und mit viel Spaß.

 

Demo

Zusammen mit Kollegen und Kolleginnen auf der Demo 1. Mai Koblenz, rechts: Silke Präfke M.Gerlach

Welche Bedeutung hat der DGB für dein Engagement?

Ich bin über den DGB zur ehrenamtlichen Arbeitsrichterin benannt worden. Das ist auch ein Ehrenamt, das ich wichtig finde. Ich schätze auch hier die Weiterbildungen, die der DGB anbietet.

 

Du bist sehr engagiert in der Pflegekammer Rheinland-Pfalz. Kannst du dazu etwas sagen?

Zusammen mit einem ver.di Kollegen bin ich jetzt für uns Beschäftigte im Vorstand der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz.

Es ist ein zweischneidiges Schwert: meine Gewerkschaft war ja gegen die Einrichtung der Pflegekammern, weil, kurz gesagt, Politik die Verantwortung für die Gesundheitsvorsorge nicht abgeben kann an eine berufsständige Kammer. Gleichzeitig war aber klar, wenn sie nach dem Heilberufegesetz von 2014 eingerichtet wird, arbeiten wir mit, um unsere Position einzubringen. Und das tue ich.

Die erste Legislaturperiode war nicht leicht. Jetzt ist es besser. Wir bringen sach- und fachkundig unsere Positionen ein und werden auch gehört.

Die Fort- und Weiterbildung für uns Pflegende wurde neu geregelt und das hat schon Vorteile. Weiterbildungen sind jetzt in Module eingeteilt, die landesweit anerkannt sind, es hat also eine Standardisierung und auch eine Qualitätssicherung stattgefunden, was ich für sinnvoll halte.

Es geht um politische Einflussnahme und da ist wichtig, dass wir als Beschäftigte vertreten sind. Und auch dass wir uns als Gewerkschafter*innen einbringen können.

 

Gibt es Erfolge aus deiner Tätigkeit, die dir wichtig sind?

Ja, einen kann ich ganz klar benennen. 2018 habe ich zusammen mit Onno Dannenberg und vier weiteren ehrenamtlichen Funktionären im Bundesministerium des Inneren in Berlin für unsere Stationshilfen eine Höhergruppierung nachverhandelt. Von E2 auf E3. Das war ein Erfolg! Für die Umsetzung haben wir dann noch einmal hier im Krankenhaus mehr als ein Jahr gekämpft.

Und ansonsten macht die Arbeit im Personalrat auch deutlich, dass wir an kleinen Rädchen drehen können, aber nicht das ganze System umkrempeln können. So bin ich langsam zur Realpolitikerin geworden, was nicht immer schön ist und auch nicht meinem Naturell entspricht.

Viel bewegen kann ich für Einzelne, die zu mir kommen. Und das macht auch das Gros der Arbeit aus.

Was mir schwerfällt zu sehen, ist, wie mit uns in der Pflege umgegangen wird. Wenn man nicht mehr die Leistung bringt, die nötig ist, dann bekommt man einen anderen Posten. Und das ist dann oft auch mit einer Herabgruppierung verbunden. Da werde ich wütend. Das finde ich ungerecht und das geht an die Würde. Da kämpfe ich dann für jede und jeden Einzelnen, damit wir eine würdevolle Lösung finden. Und das ist auch ein Motor für mein Engagement.

 

Gibt es darüber hinaus jetzt in diesem Gespräch noch etwas zu sagen, dass dir wichtig ist?

Kann ich auch einen Wunsch äußern?

Wenn ja, dann wünsche ich mir, dass mehr Menschen für ihre Interessen eintreten. Es geht mir darum, dass sie verstehen, Mitbestimmung ist ein Zeichen von Demokratie und die funktioniert nur, wenn wir uns bewegen und engagieren.

Also ich wünsche mir mehr Menschen, die dafür ein Bewusstsein haben und deshalb mitmachen.

Ich bin immer noch etwas gefrustet über die mangelnde Wahlbeteiligung bei den letzten Personalratswahlen. Es waren Briefwahlen durch Corona und dennoch gab es weniger Beteiligung als sonst üblich.

Ja, und ich wünsche mir, dass der Solidaritätsgedanke wacher wird, Gewerkschaften sind keine Versicherung, sondern eine Solidargemeinschaft der Beschäftigten. Das ist mir wichtig und das gebe ich weiter.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch, Silke.

 

 

Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.

 


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