Deutscher Gewerkschaftsbund

04.05.2020

Interview mit Laura Slezak

DGB

Laura Slezak. DGB

Infos zur Person:

Name: Laura Slezak

Ausbildung:

Ausbildung als Sozialassistentin, Weiterbildung an der Europäischen Akademie der Arbeit, Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Koblenz.

Ehrenamtliche Funktionen:

Teamerin für gesellschaftspolitische Seminare im ver.di Landesverband Rheinland-Pfalz - Saarland

Vertreterin im ver.di Landesfrauenrat Rheinland-Pfalz - Saarland

seit 2014 Gemeinderat in Leutesdorf (SPD Fraktion)

seit 2020 Mitglied des Vorstandes Forum DL21 Rheinland-Pfalz

und engagiert in der DGB Jugend Koblenz

  

Was motiviert dich zu gewerkschaftlichem Engagement?

Die Gewerkschaft war schon in meiner Kindheit wichtig. Der 1. Mai war für mich nicht ein Tag, an dem man „mit den Bollerwagen durch den Wald zieht“, sondern der Tag der Arbeit mit Demonstration und Kundgebung. Bei uns in der Familie war der 8. März – der Internationale Frauentag - präsenter als der Muttertag.

Durch das Erleben des Arbeitskampfes und der gelebten Solidarität der Erwachsenen begriff ich schnell, dass, wenn man etwas erreichen will, es nur in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten gelingt. Diese Erkenntnis war ausschlaggebend dafür, mich in meiner Schulzeit in der Schüler*innen Vertretung zu engagieren.

Für mich war es selbstverständlich, wenn ich alt genug bin, in die Gewerkschaft einzutreten. Und nun bin ich am 1. Mai 2020 fünfzehn Jahre schon dabei.

 

Was sind die Themen, die dich als Gewerkschafterin am meisten beschäftigen?

Als wir Anfang des Jahres die ersten Überlegungen für das Interview machten, war Corona für mich und meinen Alltag noch nicht präsent. Corona zeigt uns nun, wie berechtigt unsere Forderungen sind, wogegen wir uns als Gewerkschafter*innen schon seit Jahren  einsetzen, wie z.B. der Pflegenotstand, die prekäre Situation im Einzelhandel und die Bildungsungerechtigkeit verbunden mit der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich.
Die Pandemie zeigt mehr denn je, wie wichtig es ist, einer Gewerkschaft zu sein, bzw. jetzt erst recht Mitglied zu werden.

Die Welt dreht sich auch mit Corona weiter, wir dürfen unsere Augen nicht vor den weiterhin bestehenden Problem schließen, nein wir müssen uns weiterhin einsetzen und handeln:
Das Sterben von Menschen, die auf der Flucht sind, geht immer noch weiter.
Die Klimakrise ist zwar gefühlt erst mal aus den Nachrichten, aber immer noch nicht bewältigt. Die aktuelle Klimapolitik halte ich für sehr bedenklich. An jedem Kohlekraftwerk hängen zwar Arbeitsplätze, deshalb ist ein sozialverträglicher Kohleausstieg notwendig, aber bitte ein schneller. Denn was bringen uns Arbeitsplätze in einer Welt, in der Menschen nicht überleben? Die Angst um Arbeitsplätze darf nicht gegen den Klimaschutz ausgespielt werden. Deshalb: Wir brauchen Gutes Klima für Gute Arbeit.

 

Du bist angestellt bei dem Sozialistischen Jugendverband Die Falken.  Wie geht das zusammen: Engagement bei Gewerkschaften und politische Jugendarbeit?

Ich bin seit den 01.01.2019 bei SJD-Die Falken als Bildungsreferentin tätig. Meine Hauptaufgaben sind die Planung von Freizeiten, Seminaren und Weiterbildungen für unsere Ehrenamtlichen. Meine Arbeit bei den Falken verzahnt sich sehr gut mit meiner gewerkschaftlichen Sozialisation, wir kämpfen in vielen Bereichen für die gleichen Ziele und setzen uns für dasselbe ein.

→ Wir stellen uns gegen jede gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

→ Wir fordern das Ende der Ausbeutung des Menschen durch andere Menschen.

 

Dein oder euer nächstes Vorhaben?

Die Corona Pandemie hält auch die Verbandsarbeit bei den Falken in Schach und stellt diese auf den Kopf. Wir sind gerade in der 6. Woche Onlineprogramm. Wir versuchen, jede Woche ein breites Spektrum an verschiedenen Bildungsangeboten digital anzubieten. Von Buchvorstellungen, Workshops zu Nachhilfe oder einfach nur ein Ohr, das zuhört. Um für die Kinder und Jugendlichen, sowie für die Eltern dazu sein.

Für mich persönlich bedeutet es, neue Wege in der Bildungsarbeit zu gehen. Ich musste mich in den letzten Wochen sehr schnell mit neuen Programmen und Werkzeugen vertraut machen. Aber es  funktioniert. Not macht ja erfinderisch. Wenn, zu gegebener Zeit, es wieder möglich ist, Bildungsveranstaltungen in persönlichem Kontakt anzubieten, werde ich sehr froh darüber sein. Aber im Moment gilt: lieber digitaler Kontakt als gar kein Kontakt. Oder gar keine Bildungsarbeit. Außerdem schätze ich meinen Wohnraum im Dorf mitten in der Natur und empfinde die Möglichkeit, hier Home Office zu machen als Privileg.

 

Was ist dein größter Erfolg in deiner gewerkschaftlichen Tätigkeit?

Es gibt für mich persönlich viele tolle Momente und Erfolge in der Gewerkschaftsarbeit. Das belebende Gefühl auf Demos, mit vielen Menschen zusammen für etwas gemeinsam einzustehen. Oder wenn ehemalige Schüler*innen oder Studierende mich auf ver.di ansprechen, da sie jetzt doch merken, dass es wichtig und richtig ist, in die Gewerkschaft einzutreten.

Aber wenn ich genau drüber nachdenke, wäre das Mindestlohngesetz mein größter Erfolg, bei dem ich einen kleinen Teil beitragen durfte.

Die Mindestlohnkampagne bedeutet für mich, dass sich kontinuierliches, organisiertes und flächendeckendes Handeln wortwörtlich auszahlt. Ich kann mich noch sehr gut dran erinnern, wie wir 2006 von der Jugend zusammen mit verdi Jugend Koblenz, in der Koblenzer Altstadt Unterschriften für den Mindestlohn sammelten. 2007 kam dann der Mindestlohn-Truck auch nach Koblenz. Begleitet von Demos und anderen Aktionen rundet sich für mich das Thema 2014 auf der Akademie der Arbeit mit den Rechtsveranstaltungen von Prof. Dr. Jens Schubert zum Mindestlohngesetz ab.

Im Fall des Mindestlohnes hieß es für mich von der Praxis in die Theorie, es war ein spannender Prozess, der aber weitergehen muss. Denn ein Mindestlohn von 9,35 Euro mit seinen Ausnahmen reicht noch nicht aus, eine eine Umverteilung zu erzielen.

Um eine Veränderung der kapitalistischen Machtverhältnisse zu schaffen, brauchen wir starke Tarifverträge, diese sind nur so stark wie die Gewerkschaften, die ihre Stärke durch ihre Mitglieder erlangen.

Sie wissen, welche Macht die Mitbestimmungsmöglichkeiten haben, die das Grundrecht der Versammlungsfreiheit bewahren und diese solidarisch im gewerkschaftlichen Sinne einsetzen.

 

Und noch etwas ganz anderes: du warst 2010 Weinkönigin in Leutesdorf. Welche drei Erfahrungen hast du in diesem Amt gemacht, die für dich wichtig sind und dich geprägt haben?

Für mich war es eine besondere Ehre, das Kulturgut Wein und vor allem die harte Arbeit der Winzer*innen  repräsentieren zu dürfen. Es macht mir sehr viel Freude immer mit neuen Menschen ins Gespräch zukommen.
Als ich dann nach einem Jahr , Ortsweinkönigin von Leutesdorf und über Andernach noch einen Schritt weiter gehen und als Weinprinzessin den Mittelrhein repräsentieren durfte, war das für mich sehr aufregend.

Besonders Interessant fand ich aber auch die Termine mit Kommunal- und Landespolitiker*innen, denn ich konnte mit ihnen über politische Fragen ins Gespräch kommen, die mir wichtig sind, z.B. die Bildungspolitik.

Durch die vielen öffentlichen Situationen, in denen ich oft spontan ein Mikrophon erhielt, habe ich ein sehr praxisnahes Redetraining erhalten.

 

Wenn du in einer Zeitmaschine sitzen würdest und wir hätten jetzt 2035 – was würdest du beruflich tun? Und wo würdest du dich engagieren?

Ich möchte eine Stelle haben, in der ich meine politische Überzeugung und Engagement bezahlt ausüben darf.

2035 würde ich sehr gerne weiterhin im gesellschafts- und sozialpolitischen Bereich arbeiten.

Für „meinen“ Kinder- und Jugendverband, SJD-Die Falken RLP, wäre ich bestimmt nur noch passiv unterstützend aktiv, da ich mich dann einfach zu alt für die Jugendbildungsreferentin-Stelle fühle.

Aber vielleicht habe ich bis 2035 mein zweites Ehrenamt zum Hauptamt gemacht und darf mich für die Arbeitnehmer und -nehmerinnen beruflich einsetzen.

Und ich habe einen Traum: ich würde gerne ein alternatives Bildungszentrum bei uns in Leutesdorf auf der Marienburg aufbauen. Die Marienburg ist für mich nicht nur ein Ort der Kindheitserinnerungen, sondern auch ein geschichtlich spannender Ort: Friedrich Engels Schwester war eine Zeit lang die Eigentümerin der Burg und Friedrich soll auch das eine oder andere Mal zu Besuch gewesen sein.

Danke, Laura, für dieses Interview und alles Gute!

 


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