Deutscher Gewerkschaftsbund

20.11.2019

Interview mit Joachim Noll

DGB

DGB KO

Anläßlich der Wiederwahl zum Vizepräsidenten der Handwerkskammer Koblenz gratulieren wir Joachim Noll herzlich und führten mit ihm dieses Interview.

Zum Hintergrund:

Joachim Noll wurde auf der ersten Sitzung des neugewählten Parlaments der Handwerkskammer Koblenz im Amt bestätigt. Alle fünf Jahre wird die Vollversammlung neu gewählt und 16 der 48 Mitglieder sind Arbeitnehmervertreter. Eine ihrer ersten Amtshandlung ist die Wahl des Präsidiums und des Vorstands.

Die Arbeitnehmer haben einen Vertreter im Präsidium der Handwerkskammer, den Vizepräsidenten der Arbeitnehmerseite. Neben ihm gibt es einen Vizepräsidenten der Arbeitgeber sowie den Präsidenten, der ebenfalls die Arbeitgeberseite vertritt. Der Vorstand besteht aus neun Personen, davon sechs von der Arbeitgeberseite und drei von der Arbeitnehmerseite.

Die HWK Koblenz ist die größte der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz. In ihr sind über 19.400 Betriebe Mitglied mit einem jährlichen Auftragsvolumen von mehr als 12 Milliarden Euro. Insgesamt 107.000 Beschäftigte, davon mehr als 8.100 Auszubildende. Die Kammer selbst hat 245 Angestellte inklusive der Beschäftigten in den Berufsbildungszentren.

 

Infos zur Person:

Name: Joachim Noll

Ausbildung: KFZ Techniker Meister

Funktion: Ausbilder

Betrieb:  Daimler AG, Niederlassung Koblenz

 

Du bist erneut zum Vizepräsidenten der Handwerkskammer Koblenz gewählt worden. Die Vollversammlung hat dich im Amt bestätigt.

Wie lange machst du die Arbeit schon? Und was ist das, was dich dazu motiviert?

Seit 20 Jahren bin ich nun schon in der Selbstverwaltung des Handwerks aktiv. Zuerst als ordentliches Mitglied der Vollversammlung. Vor 10 Jahren wurde ich in den Vorstand gewählt und konnte mir die Arbeit dort anschauen. Seit 2012 bin ich Vizepräsident auf der Arbeitnehmerseite. Meine Motivation hole ich mir bei dem Thema „Mitbestimmung“ hier konkret in der Berufsausbildung und auch bei der Frage nach der Tarifbindung in den Handwerksbetrieben.

 

Was sind die Themen, die dich als Vize am meisten beschäftigen?

Die zum Teil desolaten Zustände in vielen Handwerksbetriebe, dort arbeiten Menschen ohne Tarifbindung und zum Teil ohne geltende Arbeitsgesetze, weil die Betriebsinhaber sich darüber hinwegsetzen.

 

Was möchtest du in deiner Funktion erreichen?

Es sind viele Themen, die mir durch den Kopf gehen, hier explizit das Thema Ausbildungsqualität, Transformation, Tarifverträge und so weiter. Aber auch mit Blick auf die nächste Handwerkskammerwahl im Jahre 2024 möchte ich unseren Nachwuchs für die Mitarbeit in der  Vollversammlung gewinnen.

 

Dein nächstes Vorhaben in der neuen Amtsperiode?

Ich möchte mich weiterhin für die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einsetzen, und das Thema digitale Transformation  im Handwerk mitgestalten. Die Digitalisierung wird auch das Handwerk verändern, tut es jetzt schon, und es geht darum, diesen Prozess aufmerksam zu begleiten.

 

Der DGB beschäftigt sich gerade im Rahmen des Zukunftsdialogs mit der Tarifbindung.

Welche Rolle spielt aus deiner Sicht dieses Thema im Handwerk?

Wie schon erwähnt, ist das Thema Tarifpolitik ein großer Bestandteil in den Diskussionen, die ich führe,  denn ohne Tarifbindung bekommen die Betriebe nur sehr schlecht Auszubildende und im Anschluss wandern die gut ausgebildeten Gesellen und Gesellinnen sowie Meister und Meisterinnen in andere Wirtschaftszweige ab.

 

Du arbeitest als Ausbilder in einem tarifgebundenen Betrieb hier in Koblenz.

Was ist da dein größter Erfolg aus Arbeitnehmersicht?

Ein schöner Erfolg war das aktive Bewerben und Ausbilden von gehörlosen Auszubildenden. Wir haben uns diesem Schwerpunkt in den zurückliegenden Jahren gewidmet und drei Betroffene erfolgreich ausgebildet.

Des Weiteren ist es mir ein persönliches Anliegen, alle Auszubildende in der IG Metall zu organisieren, dies ist mir in den 17 Jahren als Ausbilder auch immer zu 100% gelungen. Ich finde es wichtig, dass wir gerade den Nachwuchs mit dem Thema Arbeitnehmerinteressen direkt ansprechen und sie darin bestärken, ihre Rechte und Pflichten zu kennen und ihre Interessen selbst zu vertreten. .

 

Was ist dein größter Erfolg in deiner Tätigkeit als Vize?

2017 haben wir Arbeitnehmervizepräsidenten aus Rheinland-Pfalz den „Branchendialog Handwerk“ aus dem Jahre 2015 auf Landesebene mit dem DGB und dem Wirtschaftsministerium in Mainz umgesetzt. Darüber hinaus ist es mir und den Kollegen aus den anderen 3 Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz gelungen, nun an den Treffen der Arbeitsgemeinschaft sowie an den Landeshandwerkskonferenzen teilzunehmen und eine gewisse Akzeptanz bei den Teilnehmern der Arbeitgeberseite zu erzielen.

 

Und du bist auch als ehrenamtlicher Arbeitsrichter bestellt. Was ist deine Motivation für dieses Ehrenamt?

In meiner nun auch schon 20-jährigen Zugehörigkeit zum Betriebsrat, habe ich mich mit dem Thema Arbeitsrecht auseinandergesetzt und auch dauernd geschult. Bei diesen Schulungen haben wir auch das Arbeitsgericht besucht, dabei ist das Interesse entstanden, als ehrenamtlicher Arbeitsrichter die Gesellschaft zu unterstützen. 

 

Und gibt es einen Fall, ein Thema, das dir aus dieser Tätigkeit lange in Erinnerung bleiben wird?

Wir haben einen Fall behandelt, dort ging es um einen angestellten Zahnarzt, dem hatte der Arbeitgeber gekündigt. Wir mussten nun über die Zulässigkeit dieser Kündigung richten. In der Klägerbank saßen die Ehefrau und die Töchter des Klägers, da er mittlerweile leider schon verstorben war. Dies war ein sehr emotionaler Fall, den ich erst einmal nicht so schnell vergessen kann.

 

Herzlichen Dank, Joachim, für dieses Interview. Und weiterhin gutes Gelingen und viel Erfolg bei deinen vielfältigen Tätigkeiten für uns Arbeitnehmer und Arbeit


Nach oben
DGB
DGB
DGB
DGB

Social Media

Facebook
Instagram
YouTube
YouTube
DGB
DGB