Deutscher Gewerkschaftsbund

22.09.2020

Interview mit Dieter Mainzer

DGB

Dieter Mainzer. DGB

Dieter Mainzer

Funktionen:

Betriebsratsvorsitzender bei Huhtamaki Foodservice Germany Sales GmbH & Co. KG in Alf/Mosel
Stellvertretender DGB Kreisvorsitzender Cochem-Zell

Vorstand der IG BCE Mittelrhein

Ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht Mainz

 

 

Dieter, du bist seit vielen Jahren Betriebsrat. Und du bist freigestellt für dieses Amt. Bei der letzten Wahl hast du wieder ein hervorragendes Ergebnis eingefahren und bist erneut zum Vorsitzenden des Gremiums gewählt worden. Was ist deine Motivation dafür?

Es ist mir immer wichtig gewesen, mich dafür einzusetzen, dass sich alle um die Belange der Kolleginnen und Kollegen kümmern und sie berücksichtigen. Während der ganzen Jahre, in denen ich die Betriebsratsarbeit mache, habe ich erfahren, wie viel da noch dazugehört. Von der Mitbeeinflussung von betrieblichen und wirtschaftlichen Entscheidungen bis hin zu internationalen Themen im Euro-Betriebsrat haben sich sehr interessante Herausforderungen entwickelt, die den Job immer wieder interessant machen.

Gibt es Erfolge aus dieser Tätigkeit, an die du gerne zurückdenkst? Oder auch Ereignisse, die dir unvergessen sind?

Wir haben sehr viel erreicht in der Zusammenarbeit mit Schwesterunternehmen in Deutschland und Europa. Und es gibt vor Allem international noch viel Potential, hier mehr zu machen.

Aber das Wichtigste ist, dass wir den Standort in den letzten 20 Jahren erhalten haben und dass immer unter dem Schutzmantel von Tarifverträgen. Tarifverträge sind wichtig, um gute und gut bezahlte Arbeitsplätze zu haben. Hier gab es schwere Zeiten und harte Verhandlungen. Aber ich schaue mit Freude darauf zurück, dass wir diese Themen gemeinsam im Betriebsrat und mit der IG BCE gemeistert haben.

Was möchtest du in den nächsten Jahren erreichen? Umsetzen?

Wir haben mit der Arbeit der vergangenen Jahre, glaube ich, eine gute Grundlage für die Zukunft der Huhtamaki gelegt und ich freue mich, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen und dem Unternehmen Investitionen hier in Alf umsetzen und begleiten zu können. Investitionen, die unsere Arbeitsplätze langfristig sichern. Die gute Zusammenarbeit mit der IG BCE sorgt dafür, dass das in einem Rahmen passiert, der gute Arbeit, gute Löhne und damit auch eine Absicherung im Alter garantiert. Hier schaffen wir gute Tarifverträge und Regelungen, die gute Arbeit sicherstellen. Und das setzen wir gemeinsam um.

Huthamaki produziert Verpackungen für Lebensmittel meist aus Kunststoff, wie z.B. die Deckel für Coffe to go Becher, aber auch Salatschalen etc. Der Betrieb war lange Zeit ein Familienunternehmen, nun gehört ihr schon seit einigen Jahren zu einem finnischen Konzern. Ansässig ist euer Werk in einem kleinen Seitental der Mosel in Alf.

Welche Themen beschäftigen dich bei Huthamaki zur Zeit besonders? Welche Folgen hat die Corona-Krise für eure Branche?

Die Corona-Krise hat uns natürlich sehr betroffen, da viele unserer Kunden darunter zu leiden haben. Aber während diese Krise überstanden werden kann, ist die Herausforderung für uns, nachhaltige Produkte und Prozesse zu entwickeln, und die richtigen und guten Antworten auf die Umweltdiskussion zu unseren Produkten zu haben. Die neuen Investitionen am Standort gehen genau in diese Richtung. Gleichzeitig deutlich zu machen, unter welchen Umständen unsere Produkte umweltfreundlich genutzt werden können, ist aber auch eine wichtige Aufgabe. Gerade Corona zeigt, wie wichtig Hygiene ist, die die Einwegprodukte bieten und garantieren. Aus diesen Einwegprodukten durch effiziente Recyclingkonzepte eine Art Mehrwegsystem zu entwickeln und dann auch umzusetzen, ist ein Ziel, das ich für uns sehe.

Du arbeitest auch seit vielen Jahren im DGB Kreisverband Cochem-Zell mit. Wir kennen uns jetzt aus diesem Teil deiner Arbeit mehr als 15 Jahre. Welche Bedeutung hat der DGB bei deinem gewerkschaftlichen Engagement?

Der DGB bietet mir die Möglichkeit, in der Interessenvertretung über den Tellerrand des betrieblichen Alltags zu sehen. Die vielen sozialen und gesellschaftlichen Themen, mit denen sich der DGB beschäftigt, erweitern den Horizont, den ich in der gewerkschaftlichen Arbeit erlebe.

Demnächst steht ein Betriebsbesuch bei euch an zusammen mit dem DGB Landesvorsitzendem Dietmar Muscheid. Du hast ihn eingeladen. Was hat dich dazu bewogen? Und welche Themen werden eine Rolle spielen?

Ich glaube, es ist wichtig, deutlich zu machen, wie wichtig industrielle Arbeitsplätze für Deutschland sind. Und das sogar in einer Region, die ansonsten eher für Tourismus und Landwirtschaft steht. Natürlich spielt dann auch der Umweltschutz eine Rolle. Aber auch die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Energie ist ein wichtiges Thema. Themen, mit denen sich der DGB in der Vielfalt seiner Mitgliedsgewerkschaften intensiv beschäftigt. Da kann die Huhtamaki in Alf eine wichtige Facette darstellen.

Du bist durch dein gewerkschaftliches Engagement auch als ehrenamtlicher Richter am Landesarbeitsgericht tätig. Was beeindruckt dich an diesem Amt besonders?

Es ist sehr beeindruckend zu sehen, wie es in anderen Unternehmen zugeht. Hier bietet das Amt des ehrenamtlichen Richters gute Einblicke. Von Anfang an war es immer wieder interessant, wie die Entscheidungsprozesse in Gerichtsverhandlungen ablaufen. Dies auch hinter den Kulissen zu erfahren und sogar mit beeinflussen zu können, ist auf jeden Fall beeindruckend. Dabei ist mir wichtig, meine Sichtweise als Arbeitnehmer einzubringen, um so für die Kolleginnen und Kollegen ein faires Urteil zu erreichen.

Gibt es sonst noch etwas, das du gerne ergänzen möchtest?

Ich finde es toll, dass Ihr Euch für meine Arbeit interessiert und freue mich darauf, mich weiterhin mit Euch und allen meinen Mitstreitern und Mitstreiterinnen für eine bessere Arbeits- und Lebenswelt einsetzen zu können. Und da gibt es noch viel zu tun.

 

Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.


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