Deutscher Gewerkschaftsbund

03.08.2020

Interview mit Walter Schneider

DGB

Walter Schneider. DGB

Funktionen: ehrenamtlicher Vorsitzender des IG BAU Bezirk Koblenz-Bad Kreuznach, im Gewerkschaftsrat der IG BAU und der Personalkommission auf Bundesebene, sowie im Regionalrat der IG BAU in Rheinland-Pfalz/Saarland und aktiv in der Fachgruppe Forst. Ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Koblenz, Mitarbeit in den Ausschüssen der Unfallkasse und Mitglied des Verwaltungsrats und des Landesbeirats der AOK Rheinland-Pfalz/ Saarland

 

Welche Themen beschäftigen dich gerade besonders als Gewerkschafter?

Naja, zunächst erstmal alle Themen, die mich auch als Ehemann, Papa und Bürgermeister beschäftigen. Als Gewerkschafter sind es drei Themen, die aber auch zusammenhängen: faire Arbeitsbedingungen, faire Löhne und faire Rente. Denn wenn die Löhne nicht fair sind, kann man von der Rente nicht leben. Viele sehen den Zusammenhang nicht. Das Thema Altersarmut beschäftigt mich sehr. Da wünsche ich mir mehr Weitsicht bei den Beschäftigten und dann auch politisches und gewerkschaftliches Engagement.

Was war der Auslöser für dein gewerkschaftliches Engagement?

Ich habe nach der Schule Maurer gelernt und war dann einige Jahre auf Montage. 1981 wollte ich heiraten und da war klar, das geht nicht mehr mit der Montage. Deshalb habe ich zu „Landesforsten“ gewechselt und war als Waldarbeiter tätig in der Holzernte. Da bin ich auch dem Gewerkschaftssekretär der damaligen Gewerkschaft Gartenbau, Land und Forst Helmut Breiten begegnet. Und da mein Vater und meine beiden Onkel ebenfalls in der Gewerkschaft waren, war es selbstverständlich, dass der Walter auch eintritt.

 

Du bist in der IG BAU aktiv. Wie kommt der DGB als Dachverband da vor? Oder ins Spiel?

Der DGB kommt eigentlich immer vor. Er ist ja unser Dachverband. Ich war 2018 zum Beispiel als Delegierter der IG BAU beim Bundeskongress des DGB. Und regional arbeiten wir schon seit Toni Schüllers Zeiten , also Mitte der achtziger Jahre,  zusammen. So bin ich aktuell Mitglied des Vorstandes vom DGB Kreisverband Ahrweiler. Und gemeinsam mit dem DGB kämpfen wir für faire Arbeitsbedingungen, faire Löhne und für eine Rente, die zu einem Alter ohne Angst vor Armut reicht. Der Mindestlohn war dafür ein wichtiger Schritt!

 

Du bist auch in der Kommunalpolitik tätig, bist Bürgermeister in Burgbrohl, ein Gewerkschafter in der eher konservativen Eifel. Wie geht das für dich mit der Gewerkschaftsarbeit zusammen? Wo sind Verbindungen? Wo auch Brüche?

Zunächst einmal will ich sagen, dass die Familie bei mir über allem steht. Meine Frau und meine beiden Kinder sind das Wichtigste in meinem Leben.

Ich bin jetzt seit zwanzig Jahren in der Kommunalpolitik. Und da gibt es immer Berührungspunkte mit der Gewerkschaft.

Die Gemeinde Burgbrohl hat insgesamt 22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für die bin ich zuständig, da habe ich Personalverantwortung. Ich sorge dafür, dass die Anstellungsbedingungen stimmen. So habe ich dafür gesorgt, dass wir selbst Reinigungskräfte anstellen aus dem Ort und natürlich haben sie, auch wenn sie als 450 € Kräfte angestellt sind, nicht nur Mindestlohn, sondern auch Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Bei meinen Kollegen gelte ich als der, der sich um die Beschäftigten sorgt, sich um sie kümmert und im Verbandsgemeinderat gelte ich als Ansprechpartner, wenn es um arbeitsrechtliche Fragen geht. Nicht immer ist da meine kritische Meinung willkommen. Aber das macht mir nichts, ich bin nicht immer „everybody‘s Darling“.

 

Wenn du ein Highlight aus deinem Tun benennen solltest, welches würdest du wählen?

Da könnte ich dir stundenlang erzählen, Edith, aber es soll ja nicht zu lang werden. Also dann wähle ich aus:

Meine Hochzeit und die Geburten meiner zwei Söhne sind die absoluten Highlights in meinem Leben.

Und aus den anderen Bereichen meines Lebens fällt mir als erstes ein, dass ich 2004 mit nur fünf Stimmen mehr zum Bürgermeister gewählt wurde. Damals war Burgbrohl sehr konservativ, geprägt, von 2004 bis 2019 hatten die Sozialdemokraten 10 Jahre die absolute Mehrheit und sind aktuell die stärkste Fraktion im Gemeinderat von Burgbrohl.

Ich war in meiner Jugend Fußballer und auch Trainer. 2008 wurde die Deutsche Fußballnationalmannschaft der Bürgermeister gegründet. Ich bin Mitglied der Mannschaft. In Österreich sind wir 2008, nach einem 3:0 Sieg gegen Italien, Europameister geworden. Das war schon klasse! Danach sind wir zusammen 2010 zur Fußball WM nach Südafrika gereist und haben dort vieles gesehen und erlebt. Das war definitiv ein Highlight meines Lebens.

Durch die vielen Gespräche, die wir untereinander führten, wurde uns auch bewusst, dass wir alle vor den gleichen Herausforderungen in unseren Städten und Gemeinden stehen.

Als Gewerkschafter gab es viele Höhepunkte. Von der Wahl zum Vorsitzenden des Bezirksverbands Koblenz/ Bad Kreuznach über die Teilnahmen an unseren Gewerkschaftstagen und der Teilnahme am DGB Bundeskongress bis hin zu unserer Jubilarfeier 2012. Da durfte ich nämlich meinem Papa für 50 Jahre Mitgliedschaft in der IG BAU die Ehrennadel anstecken.

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Was ist dein nächstes Vorhaben? Wofür setzt du dich aktuell ein?

In unserem Gespräch hat bisher Corona noch keine ausdrückliche Rolle gespielt, obwohl die letzten Monate davon sehr geprägt waren. In der IG BAU stehen nun im Herbst eigentlich die regionalen Delegiertenversammlungen an, mit denen wir den Gewerkschaftstag vorbereiten, der turnusgemäß in 2021 stattfindet. Dieses Mal wird er in Kassel sein. Und jetzt ist halt nicht klar, was kann wie stattfinden. Der Bezirksbeirat im April fiel aus. Wir sind im Moment damit beschäftigt, herauszufinden, wie können wir satzungsgemäß handeln und unsere Wahlen durchführen. Ich werde nochmals für den Vorsitz in unserem Bezirk kandidieren.

Die Ortsgemeinde Burgbrohl plant gerade den Bau eines weiteren Kindergartens. Dieses Vorhaben fordert von der Gemeindeverwaltung und dem Gemeinderat ein Engagement, das über das normale Maß hinausgeht.

 

Gibt es sonst noch etwas, was du gerne im Rahmen dieses Interviews teilen würdest?

Ja, zusammenfassend kann ich nach 40 Jahren sagen: Gewerkschaftsarbeit macht Spaß!

Und nach 25 Jahren Kommunalpolitik macht die mir auch immer noch Spaß!

Und was in den nächsten Jahren ansteht, ist die Vorbereitung des Generationenwechsels. Wie kann die nächste Generation übernehmen? Wie kann das gut vorbereitet werden? Da bin ich schon im Gespräch mit dem Gemeinderat. Und auch in der IG BAU steht das dann an.

 

Danke, Walter, für das Gespräch.

 

 

 Das Gespräch führte Edith Sauerbier, DGB Koblenz.


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